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Star auf den zweiten Blick

Wer an die Überflieger der abgelaufenen Zweitligasaison denkt, landet schnell bei Spielern der Aufsteiger St. Pauli und Holstein Kiel oder in Düsseldorf. Dass der notenbeste Feldspieler aus dem Saarland kommt, überrascht doch eher. Lässt man sich dann jedoch die Saison des Jannik Rochelt nochmal Revue passieren, findet man schon mehr Logik dahinter. Das Portal transfermakt.de listet nur Schlussmann Florian Stritzel von Wehen Wiesbaden über den Linksaußen der SV Elversberg.

Geboren im Allgäu, machte Rochelt nach Jugendstationen in Weiler und Friedrichshafen seine ersten Schritte im bezahlten Fußball in Memmingen, wo schon Kevin Volland kickte und Mario Götze sowie Holger Badstuber aufwuchsen. Sein großes Talent wurde schnell erkannt, so spielte der damals 15-jährige bereits im U17 Team und wusste auch in den Folgejahren so zu überzeugen, dass er mit 18 Jahren als Stammspieler der Regionalligamannschaft von Memmingen zum Ligakonkurrenten FC Bayern München II wechselte, nachdem er seine Ausbildung zum Bankkaufmann erfolgreich beendet hatte. Der Schritt in den Profifußball war somit getan.

Nachdem die Bayern nach furioser Aufholjagd gegen den VfL Wolfsburg in die 3. Liga aufstiegen, spielte der Offensivspieler Rochelt unter Neutrainer Sebastian Hoeneß zunächst als Rechtsverteidiger. Krankheits- und verletzungsbedingte Ausfälle hatten aber zur Folge, dass er seinen Platz im Team verlor und in der Rückrunde keinen großen Anteil mehr am Meisterschaftsgewinn hatte.

Jannik Rochelt hier im Mai 2019 beim Relegationsrückpiel gegen den VfL Wolfsburg II.

Anfang 2021 entschied sich Rochelt dann für einen Neustart in der Regionalliga beim SSV Ulm 1846, wo er seine offensive Flexibilität unter Beweis stellen konnte. Den Aufstieg verpasste man jedoch knapp, da eine gewisse SV Elversberg die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die 3. Liga für sich entscheiden konnte.

In der Vorsaison noch der sportliche Rivale um den Aufstieg, klopfte jene SV Elversberg dann bei Rochelt an und überzeugte ihn trotz vieler anderer Angebote aus der 3. Liga, ab sofort im Saarland zu spielen. Er kam nun wieder auf seiner Lieblingsposition auf dem linken Flügel zum Einsatz und feierte gleich in seinem ersten Pflichtspiel für die SV nach nicht mal zwei Minuten seine Torpremiere, als man Bayer Leverkusen mit 4:3 im DFB Pokal schlagen konnte.

Auch in der Liga lief es prächtig, so stand Elversberg zur Winterpause zehn Punkte vor einem Nichtaufstiegsplatz und Rochelt war mit bereits 15 gesammelten Torbeteiligungen der Topscorer der Liga. Am Ende sollten noch zwölf weitere dazukommen und die SV souverän in die 2. Bundesliga aufsteigen. Neben Werder-Leihgabe Nick Woltemade war er der überragende Mann im Team, verpasste nur ein Spiel und trug wesentlich dazu bei, dass der Durchmarsch von der Regionalliga in die zweite Liga klappte.

Grund zum Feiern: Rochelt gelang mit der SV Elversberg der historische Durchmarsch in die zweite Liga.

Waren viele Fans vor Saisonbeginn noch skeptisch, ob die Kaderqualität reiche, straften die Saarländer vielen Kritikern Lügen. Der schmerzhafte Abgang von Woltemade wurde durch clevere Transfers wie Paul Wanner oder Paul Stock kompensiert. Nie waren die Elversberger in akuten Abstiegssorgen, eine Tatsache, die vor der Saison utopisch erschien. Rochelt selbst stand in 32 seiner 33 Einsätze in der Startelf und war mit vier Toren und sieben Assists abermals elementarer Bestandteil des Kollektives, das eine überragende Zweitliga-Premierensaison spielte.

Die logische Konsequenz von konstant guten Leistungen ist im Fußball natürlich das Interesse von sportlich größeren Klubs. So kommt es nicht von Ungefähr, dass mehrere Bundesligisten ihr Interesse bekundet haben sollen und bereit zu scheinen sind, die Ausstiegsklausel (dem Vernehmen nach in Höhe von 1,5 Millionen Euro) zu ziehen und Jannik Rochelt den Weg in die Bundesliga zu ebnen. Es wäre die Belohnung für einen Spieler, der schon in jungen Jahren lernen musste, mit Rückschläge umzugehen und es geschafft hat, selbige in Stärke und Resilienz umzuwandeln.

Vielleicht sieht man ihn bald schon im deutschen Oberhaus, auf dem linken Flügel nach innen ziehen, auf der Jagd nach dem Ball, auf der Jagd nach Bestnoten.

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