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Passmaschine mit Makel

Wenn eine Legende des Sports wie Alfredo di Stéfano vom „größten Nachwuchstalent“ der Real Madrid Castilla Geschichte spricht, sind die Vorzeichen klar. Und wenn eben dieser Ehrenpräsident nicht mehr zu den Spielen geht, weil besagter Spieler nach England verliehen wurde, dürften alle Zweifel ausgeräumt sein. Dani Parejo, ein Junge aus dem Madrider Vorort Coslada, ist ein Juwel. Ein Rohdiamant, den es zu schleifen gilt und der Besonderes im Stande zu leisten ist.

Zu di Stéfanos Leidwesen wird seine Karriere zwar in seiner Heimatstadt, aber nicht im Trikot der Blancos Fahrt aufnehmen. Nach den Transfers von Sergio Canales und Mesut Özil war der Platz im Mittelfeld der Königlichen rar, und Parejo zog es nach Getafe. Dort absolvierte Parejo zwei Spielzeiten, kam auf 80 Einsätze und empfahl sich für mehr. Obwohl es Gerüchte über einen Rückkauf Reals gab, einigte sich Getafe mit Valencia über einen Transfer und er traf 2011 auf einen seiner wichtigsten Wegbegleiter seiner Laufbahn, Unai Emery. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten entwickelte sich Parejo im Laufe der Rückrunde zum Stammspieler und beendete mit Valencia die Saison auf dem 3. Platz. Schnell kamen seine Stärken zum Vorschein: Eine überragende Spielübersicht, Ruhe am Ball und ein Passspiel, das nur wenige Spieler in der Liga mitgehen konnten. Vieles erinnerte an den Sergio Busquets, der die Position in jenen Jahren mit Barcelona und Spanien dominierte.

So überraschte es nicht, dass Parejo sich schnell festspielte und eine tragende Rolle im System der Fledermäuse spielen sollte. Nach Abgängen von renommierten Spielern wurde er 2014 zum Kapitän ernannt und bekam die 10 von Ever Banega, der den Klub verließ. In derselben Saison wurde er als Mittelfeldstratege bester Torschütze des Teams (12 Tore) und trug maßgeblich dazu bei, dass Valencia mit 77 Punkten der beste Viertplatzierte in der Geschichte der Liga wurde.

Eine besondere Beziehung: Parejo mit Unai Emery

Nach vielen Hochs folgte allerdings die erste Delle in der Karriere Parejos. Insbesondere die Saisons 2015/16 und 2016/17 waren kompliziert. Auch wenn er zu Beginn noch seine Leistung brachte, so konnten weder defensive noch offensive Mängel im Team kompensiert werden. Der Klub fand sich im Abstiegskampf wieder und vielen Spielern merkte man die sportliche Lage auf dem Platz an. Auch privat war es eine schwierige Zeit, so wurde Parejo erst alkoholisiert am Steuer erwischt und musste sich dann während der sportlich angespannten Lage erklären, als Bilder von ihm in einem Nachtklub mit Drink und Shisha auftauchten. Als der Druck auf ihn immer größer wurde und auch die sportlichen Leistungen litten, einigte man sich darauf, ihm vom Kapitänsamt zu entbinden. Letztendlich trudelte man im unteren Mittelfeld der Tabelle ein und war froh, dass die Saison halbwegs zufriedenstellend beendet wurde.

Erst mit Marcelinos Ankunft 2017 ging es wieder bergauf, Parejo wurde wieder zum Kapitän ernannt und fand zu alten Leistungen zurück. Er brachte den Klub in die Champions League, steuerte 18 Scorerpunkte bei und war im Spiel der Che nicht mehr wegzudenken. Das ging auch nicht an Nationaltrainer Julen Lopetegui vorbei, der ihn im März 2018 zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft nominierte. Gegen Argentinien kam er zu einem Kurzeinsatz, doch so erfolgreich seine Jugend-Nationalmannschaftskarriere auch verlief (er gewann die U-19 und U-21 Europameisterschaft), den endgültigen Schritt ins Seniorenteam sollte er nie schaffen. 2019 kamen noch vier weitere Spiele dazu, aber aller Voraussicht nach waren dies auch die letzten im Trikot der Furia Roja.

In der Folgesaison konnte er dann endlich seinen ersten Titel im Vereinswettbewerb feiern, gegen Barça gewann man im Pokalfinale mit 2:1, und Parejo lieferte bis zu seiner Verletzung ein überragendes Spiel ab. Als Valencia im Folgejahr allerdings das europäische Geschäft verpasste und Geld eingespart werden musste, ließ man Parejo ablösefrei zum Lokalrivalen nach Villareal ziehen, wo er wieder auf Emery traf und eine elementare Rolle in seinem Spiel bekleiden sollte. In drei der vier Jahre schaffte man die Qualifikation zur Champions League, eine Wahnsinnsleistung in Anbetracht der Rahmenbedingungen.

Ein Pass nach dem anderen. Nicht selten ist Parejo der Spieler mit den meisten Ballaktionen auf dem Platz.

2021 folgte der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, als man Manchester United im Finale der Europa League schlug und erstmals einen Titel gewinnen konnte. Nur ein Jahr später fand man sich nach dem Viertelfinalerfolg gegen den FC Bayern sogar unter den letzten vier Mannschaften in der Champions League wieder, ohne Zweifel die erfolgreichste Zeit seit Gründung des Vereins. Und in eben dieser war Parejo der verlängerte Arm des Trainers, der Strippenzieher, Denker und Lenker im Spiel der submarinos. Man kann also besten Gewissens sagen, dass Parejo auf seine alten Fußballer-Tage seinen zweiten Frühling erlebte. Nicht umsonst war er nach der Absage Zubimendis (Real Sociedad) als Ersatz für Sergio Busquets beim FC Barcelona im Gespräch und hätte laut eigener Aussage den Schritt gehen können, war sich jedoch seiner tragenden Rolle im Team bewusst und entschied zu bleiben.

Auch wenn Unai Emery mittlerweile in England weilt (und dort mit Aston Villa ähnlich bemerkenswerte Arbeit leistet), aktueller Coach des gelben U-Boots ist sein zweiter großer Förderer Marcelino, der unverändert auf ihn setzt und ein wesentlicher Grund war, dass Parejo seinen Vertrag vor kurzem bis 2026 verlängerte. „Es stimmt, dass Marcelino für mich einer der besten Trainer ist, die ich je hatte. Er ist ein großartiger Trainer, der sehr gut arbeitet, und ich kenne ihn auch aus einer anderen Zeit, die ebenfalls sehr erfolgreich war“, wird er bei der Verkündung zitiert und es wirkt, als ob die Einigung nur eine Frage der Zeit war.

König Felipe überreicht Parejo die Copa del Rey Trophäe 2019.

Valencia ist nicht erst seit Kurzem seine sportliche Heimat, bei Ablauf seines Kontrakts werden es 15 Saisons gewesen sein, die er an der Ostküste verbracht haben wird. Auch wenn er immer der Junge aus Coslada, Madrid sein wird, so wird er in die LaLiga Geschichtsbücher als einer der bedeutendsten Spieler der Comunidad de Valencia eingehen. Über 700 Pflichtspiele auf Klubebene, davon 483 mal LaLiga und 68 mal Copa del Rey: Dani Parejo ist wohl einer dieser Spieler, über den erst gesprochen wird, wenn er nicht mehr da ist. Weil man erst dann erkennt, was fehlt. Und zwar einer der größten Spieler, die die Liga je gesehen hat.

 

 

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